Mathieu war mit seiner Kleidung, unserem Auto und fast unserem gesamten Geld verschwunden. Ich blieb allein in unserem Elternhaus zurück.
Meine Mutter Élise war sieben Wochen zuvor gestorben. Das Anwesen mit seinem kleinen Weinberg, dem Gemüsegarten und den alten Rosensträuchern kam mir nun riesig vor. Mathieu wollte es schon seit Langem verkaufen, doch ich hatte mich geweigert: Es war das letzte Erbe meiner Familie.
Es erinnerte mich auch an Thomas, meinen älteren Bruder, der sieben Jahre zuvor im Norden des Landes verschwunden war.
Drei Wochen nach Mathieus Weggang hielt ein schwarzer Geländewagen vor meinem Tor. Ein Mann stieg aus.
— Claire Morel?
— Wer sind Sie?
— Alexandre Montfort.
Seine Familie besaß eines der größten Weingüter der Region.
— Was wollen Sie?
— Ich muss ein paar Tage hierbleiben.
— Nein.
Ich schloss das Tor wieder. Doch in den folgenden Tagen wurde das Scharnier repariert, einige Dachziegel wurden ersetzt und die alte Pumpe wieder instand gesetzt.
Ich stellte Alexandre zur Rede.
— Warum tun Sie das alles?
— Weil ich dieses Anwesen seit sieben Jahren suche.
Er holte eine kleine Metallbox hervor. Darin lag eine Medaille des heiligen Christophorus mit einem eingravierten „T“.
Es war die Medaille von Thomas. Dann reichte er mir einen vergilbten Umschlag mit seiner Handschrift: „Für Mama“.
— Wo haben Sie das gefunden?
Alexandre senkte den Blick.
— In der Nacht, in der Thomas verschwand, hat er mir das Leben gerettet.
Er machte eine Pause.
— Aber niemand konnte ihn retten.
Und was er herausfand, war einfach unglaublich. Ich blieb wie versteinert stehen.
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Ich blieb reglos stehen und konnte kein Wort sagen. Thomas war also gestorben, während er diesen Mann rettete.
— Was ist passiert? fragte ich schließlich.
Alexandre erklärte mir, dass ein abgelegenes Lagerhaus von einem Feuer verwüstet worden war. Thomas, der an diesem Abend in der Gegend arbeitete, hatte ihn unter einem Balken eingeklemmt gefunden. Er befreite ihn, schaffte es aber selbst nicht mehr hinaus, bevor das Gebäude einstürzte.
— Warum hat uns niemand etwas gesagt?
Alexandre holte daraufhin einen zweiten Umschlag hervor.
— Weil Thomas mich gebeten hatte, Ihre Familie zu beschützen, falls ihm etwas zustoßen sollte. Ich habe mein Versprechen nie vergessen.
Mit zitternder Hand nahm ich den Umschlag. Darin befand sich ein Brief:
„Mama, Claire, wenn ihr das hier lest, bin ich nicht zurückgekommen. Verkauft das Haus niemals. Es verbirgt etwas Wichtiges.“
Alexandre sah mich an.
— Er hatte herausgefunden, dass jemand seit Jahren versuchte, Ihr Anwesen zu kaufen. Nicht wegen des Weinbergs, sondern wegen dessen, was sich unter dem alten Keller befindet.
In dieser Nacht gingen wir gemeinsam hinunter.
Hinter einer eingestürzten Mauer entdeckten wir einen kleinen geheimen Raum mit alten Dokumenten, Eigentumsurkunden und einem Beweis, der einen gewaltigen Familienbetrug aufdecken konnte.
Da verstand ich, warum Thomas verschwunden war.
Und warum Mathieu das Haus so schnell hatte verkaufen wollen.
Doch der größte Schock erwartete mich noch: Auf dem letzten Dokument erkannte ich die Unterschrift meiner Mutter.
Sie hatte alles entdeckt, bevor sie starb.









